Ich möchte mich zuerst für euer Feedback zum letzten Artikel bedanken, und werde zukünftig auch noch tiefer mit euch in diese Themen einsteigen und auch heute möchte ich mit dir darüber sprechen, wieso wir schon lange nicht mehr in unserer Kraft sind, sondern zu Abhängigen und Aufmerksamkeitsjunkies geworden sind.

Ich möchte hier nochmal betonen, dass wir immer, wenn wir nicht in unserer Kraft sind, von äußeren Dingen abhängig sind, wie beispielsweise dem Essen und nach allen möglichen Kompensationsmöglichkeiten suchen müssen, die irgendwie unsere innere Sehnsucht füllen oder zu mindestens verdrängen. Deswegen betrachtet die Themen bitte nie einzeln, sondern als ein großes zusammenhängendes Puzzle.

Wir können nur wieder innerlich ganz und so unabhängig von äußeren Süchten werden, wenn wir wieder IN uns ankommen und das große Bild betrachten, wieso wir es heute nicht mehr sind. Ich möchte dir heute zeigen, wieso du schon vor langer Zeit zu einem Aufmerksamkeitsjunkie geworden bist, und wie sich dieses Thema auf verschiedenen Weisen ausdrückt. Auch dieses Thema hat wieder etwas mit unserer weiblichen Energie zutun, denn solange wir uns in einem SOG befinden, also etwas von anderen Menschen brauchen und erwarten, sind wir nicht in unserer weiblichen Kraft, die sich besonders im Geben, Lieben und in der Annahme und Akzeptanz ausdrückt. Aber dazu kommen wir zu einem später Zeitpunkt noch.

Schon früh wird LIEBE an Bedingungen geknüpft

Dass wir zu emotionalen Aufmerksamkeitsjunkies werden, beginnt schon in unserer Kindheit, da wir in der Regel über Belohnungen und Bestrafungen erzogen werden. Diese Belohnungen und Bestrafungen können natürlich sehr unterschiedlich aussehen und sich rein über Zuneigung oder Worte ausdrücken.

Das bedeutet, dass wir schon sehr früh das Gefühl bekommen, dass wir Liebe bekommen, wenn wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten sollen oder wie es andere von uns erwarten. Die Erwartungen, die wir auferlegt bekommen, drücken sich gerne auch nochmal unterschiedlich aus. So werden wir zum Beispiel oft gelobt, wenn wir gute Noten in der Schule bekommen haben und vielleicht sogar mit einer zusätzlichen Belohnung wie Taschengeld oder ähnlichem bestätigt. Wir verknüpfen hier schon früh Leistung mit Wert und Liebe. Oder aber wir wurden belohnt, wenn wir besonders höflich waren oder ordentlich oder was auch immer.

Du kannst dir gerne mal für dich Gedanken darum machen, wann du dieses Gefühl von Wertschätzung und Belohnung bekommen hast. Sehr gerne wird hier mit Liebe und Liebesentzug gearbeitet. Von unseren Eltern und Bezugspersonen ist das natürlich oft ein unbewusstes Verhalten, da sie es selbst nicht anders kennen gelernt haben und wir es überall wieder finden. Das bedeutet also, dass wir schon sehr früh kennen lernen, dass wir Liebe bekommen, wenn wir gut sind und keine Liebe, wenn wir nicht gut sind.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft

Im Laufe unseres Lebens definieren wir immer mehr, was wir als „gut“ empfinden. Das sind oft natürlich die Dinge, die wir von anderen Menschen angenommen haben, aber auch Dinge, die wir uns im Laufe unseres Lebens selber aufgebaut haben. Meistens ist auch das dann über Anerkennung aufgebaut worden und entstanden.

Das beste Beispiel ist hier wohl unser Aussehen. Leider ist es so, dass in unserer doch sehr oberflächlichen Welt, wir anders und liebevoller behandelt werden, wenn wir gut aussehen bzw. schick gemacht sind, als wenn wir das nicht sind. Das wird uns also fast schon in die Wiege gelegt und deswegen fällt es uns so schwer, dies loszulassen. Wir sind in eine Welt hinein geboren, die Wert mit Aussehen verknüpft hat. Das beste Beispiel hierfür ist wohl Social Media, Medien oder aber auch sowas wie Tinder. Wir bewerten einen Menschen nach seinem Aussehen. Wenn du den letzten Artikel gelesen hast, dann weißt du, dass ich von einem unsichtbaren Mantel der Kontrolle gesprochen habe, der über unsere ganze Gesellschaft gelegt wurde.

Das Gleiche passiert beim Thema „Aussehen und Wert“. Es ist so stark in unseren Köpfen und unserem Bewusstsein verankert, dass wir automatisch so denken und handeln, wenn wir nicht beginnen, all das zu hinterfragen. Eines der besten Experimente ist für mich hier immer der Supermarkt, Bäcker oder einfach das öffentliche Leben. Das Folgende kennen hier wahrscheinlich sehr viele: Wenn du in den Supermarkt gehst und du dich schick gemacht hast, merkst du, wie freundlich die Menschen zu dir sind, wie sie dich anlächeln, dir die Tür aufhalten und vieles mehr. Gehst du aber ganz zerzaust und in Jogginghose los, verändert sich plötzlich das Verhalten der Menschen.

Ich bin früher lange Zeit nie ungeschminkt oder nicht richtig fertig gemacht raus gegangen, weil ich mich sonst nicht wohl gefühlt hätte. Hättest du mich früher gefragt, wieso nicht, hätte ich gesagt, dass ich mich so wohler fühle und mich einfach gerne schick mache. Wenn wir uns jetzt aber den Verlauf und Beginn dieses Themas anschauen, ging es hier eigentlich nur um Liebe. Wir haben gelernt, Liebe und Anerkennung zu bekommen, wenn wir gut aussehen und natürlich auch, wenn wir schlank sind. Wir haben gelernt, dass wir dann mehr Aufmerksamkeit bekommen und das Gefühl bekommen, wertvoll zu sein.

Wir haben unseren eigentlichen Wert vergessen

Schauen wir uns mal um in der Welt. Wie sehr hat das Thema „Schönheitsoperationen“ in den letzten Jahren zugenommen? Es ist heute fast schon normal geworden, und wir hinterfragen all das auch nicht mehr groß. Wir sehen dabei nicht mehr, dass wir alle nur auf der Suche nach Liebe sind. Das Problem ist, dass wir sie so niemals finden werden, denn in unserem Inneren wollen wir alle für unser SEIN geliebt werden. Nur kennen wir heute unseren Wert selbst nicht mehr, und müssen ihn uns deswegen über unser Aussehen holen.

Versetz dich gedanklich nochmal zurück in deine Kindheit. Hättest du gewollt, dass deine Mutter dich liebt, weil du so hübsch aussiehst? Natürlich nicht. Wir brauchen all das nur so sehr, weil wir unseren eigentlichen Wert vergessen haben. Auch ich habe natürlich meinen Wert lange Zeit davon abhängig gemacht und Männer und Freundschaften angezogen, die mich aufgrund meines Aussehens gewählt haben und mich dann gewundert, wieso ich mich immer noch nicht geliebt fühle.

So viele Frauen machen sich verrückt mit ihrem Aussehen, weil sie sich eigentlich nur Liebe wünschen, aber wundern sich dann, wieso sie nur darauf reduziert werden und keine wahre Liebe erfahren. Wahre Liebe erfahren wir sowieso erst, wenn wir UNSEREN wahren Wert erkannt haben. Vorher kann uns niemals ein anderer Mensch für unser wahres SEIN lieben, weil wir selbst nicht mal wissen, wer wir eigentlich sind.

Wir haben also verschiedene Wege gesucht um Aufmerksamkeit – also eigentlich Liebe – zu bekommen, und heute ist nicht selten unser ganzes Leben darauf ausgerichtet. Deshalb können wir auch nur sehr schwer davon loslassen!

Hast du Aussehen mit deinem Wert verknüpft, wird jede kleine Ablehnung in dem Bereich, dir tief ins Herz stechen. Hast du Leistung mit deinem Wert verknüpft, wird jede Kritik dir sehr weh tun. Hast du das Gefühl, dass jeder dich lieben muss, und jemand tut es nicht, wird es dir bitterlich weh tun und all das, weil du deinen eigenen Wert nicht mehr kennst. Solange du dies tust, bist du ein emotionaler Junkie nach Liebe und Aufmerksamkeit.

Wir haben nie gelernt, uns selbst LIEBE zu schenken

Das Problem an der Sache ist aber, dass wir ein Fass ohne Boden sind, solange wir uns selbst keine ECHTE Liebe schenken können. Jede Bestätigung, Anerkennung und falsche Liebe fließt einfach durch uns hindurch, weil das nicht die Liebe ist, die wir uns eigentlich wünschen. Wir haben schon als Kind das Grundbedürfnis für unser pures Sein geliebt zu werden und dieses Bedürfnis wird nie verschwinden. Zwar sind wir heute nicht mehr abhängig vom Außen, aber haben nie gelernt, wie wir UNS selbst diese Liebe schenken können. Es ist heute nämlich schon lange nicht mehr die Aufgabe von irgendwem, sondern einzig und allein unsere eigene. Erst wenn wir lernen uns von den Dingen zu lösen, mit denen wir unseren Wert verknüpft haben und unseren wahren Wert erkennen und so zurück zu unserem Wesenskern kommen, der hinter den ganzen künstlichen Vorstellungen von Liebe und Wert liegt, können wir unseren ECHTEN Wert wieder finden.

Wenn wir wieder in unserem echten Wert ankommen, sind wir nicht mehr von äußeren Bestätigungen abhängig. Das bedeutet übrigens nicht, dass du dich jetzt nie wieder schick machen darfst, oder nicht ehrgeizig deine Ziele verfolgen darfst oder nett und höflich sein darfst, aber all das steht auf einem anderen Fundament! Du machst es nämlich für DICH, anstatt für andere, und es berührt dich nicht mehr, was andere darüber denken, weil du nicht mehr von dieser Anerkennung abhängig bist.

Ich habe Andre übrigens zu einem Zeitpunkt auf Bali kennen gelernt, an dem ich jeden Tag ungeschminkt war, durch die Sonne orangene Haare hatte, und um die 10 kg mehr auf den Hüften hatte. Wir müssen heute immer mal wieder darüber schmunzeln, wenn wir uns die Fotos angucken, weil es uns beiden nicht aufgefallen ist, weil es schon lange keine Rolle mehr gespielt hat. Ich weiß heute, dass all das nichts mit meinem Wert zutun hat, und ich auch keinen Mann an meiner Seite haben möchte, der meinen Wert davon abhängig macht. Ich habe heute nur 3 Beispiele angesprochen, die sehr verbreitet sind, was Anerkennung betrifft. Allerdings sind wir, wie gesagt, zu Anerkennungsjunkies geworden. Du kannst dich also sehr gerne mal fragen, was du alles dafür tust, um Anerkennung zu bekommen, geliebt und gemocht zu werden, Liebe zu bekommen und gesehen zu werden.

Der erste Schritt ist immer Bewusstsein und Analyse, um uns unser Verhalten und alles, was damit zu tun hat, zu überdenken, um uns neu zu erfinden.

Ich wünsche dir viel Freude dabei, dir selbst wieder ein Stück näher zu kommen!