Ich möchte heute über ein Thema schreiben, dass mich bereits seit sehr vielen Jahren beschäftigt aber seit einigen Wochen noch vermehrter. Es geht um das Thema „Frau sein“ und unsere Weiblichkeit!

Eine Sache vorweg: Ich denke, dass der Fakt, dass wir viel zu wenig in unserer echten und tiefen Weiblichkeit sind, einen großen Aspekt dazu beiträgt, dass wir uns abgetrennt fühlen und nicht glücklich sind. Ich möchte mit dir in diesem Artikel darüber sprechen, warum dieses Thema mir so sehr am Herzen liegt, und dich erstmal kurz mitnehmen, wieso es gerade nochmal mehr an Wichtigkeit in meinem Leben zugenommen hat. Ich werde auch das Thema „Kampf“ und „Körper“ ansprechen und die Zusammenhänge aufzeigen.

Das Thema Weiblichkeit betrifft SO viele Punkte, aber steht meiner Meinung nach hauptsächlich auf dem Thema Kontrolle, weswegen sich viele andere Punkte aufgebaut haben, wie sie sich halt aufgebaut haben. Deswegen möchte ich heute im ersten Schritt mit dir über das Thema „Kontrolle“ sprechen.

Wir kontrollieren, ohne es zu wissen

Wenn du ein bisschen von meiner Geschichte kennst, dann weißt du, dass ich mein Leben lang gegen mich selbst gekämpft habe und versucht habe, mich, mein Leben und alles um mich herum zu kontrollieren, und über Kontrolle etwas in Bahnen zu lenken, von denen ich dachte, dass sie richtig für mich wären. Dabei habe ich aber nicht nur versucht mein Essverhalten und mein Training zu kontrollieren, sondern mein komplettes Leben. Vielleicht denkst du jetzt gerade: „Ohja, ich bin auch sehr kontrollierend“ oder aber du denkst: „Neee, ein Kontrollthema habe ich nicht“. Ich hätte mich lange zu der zweiten Person gezählt, weil ich die tieferen Hintergründe noch nicht verstanden habe. Kontrolle läuft bei uns im Westen nämlich in den meisten Fällen ab, ohne, dass wir es überhaupt noch richtig wahrnehmen, weil es so normal für uns geworden ist.

Ohne es zu wissen, habe ich versucht meine Gefühle zu kontrollieren, habe immer nur eine gewisse Nähe zugelassen, habe unfassbar viele Erwartungen an mich selbst und meinem Umfeld gehabt. Nicht aber in dem Maße, dass ich wusste, was meine Seele braucht, um mir den Weg meiner Seele zu ebnen, sondern mit dem Versuch, Erwartungen zu erfüllen, weil ich dachte, nur so gut zu sein. Ich habe versucht meinen Weg und meine Zukunft zu kontrollieren und ich habe sogar versucht die Emotionen von anderen zu kontrollieren. Höre dir zu dem Thema Kontrolle auch gerne in meinem Podcast die Folge 50 an.

Wir bekommen das Thema Kontrolle bereits in die Wiege gelegt

Diese Kontrolle läuft bei uns halt nicht nur bewusst, sondern auch unterbewusst ab, und wir sind uns dessen oft nicht mal ansatzweise mehr bewusst. Für mich ist das Thema Kontrolle so viel weitreichender, als wir es uns vorstellen oder greifen können, weil wir mit diesem Kontrolldrang bereits geboren werden. Wir bekommen es bereits von unseren Eltern und Bezugspersonen vorgelebt, und all das gilt als völlig normal. Es gilt als normal, dass wir uns nicht aus uns heraus entwickeln, sondern, dass wir von Anfang an gesagt bekommen, wie wir sein sollen. Wir bekommen gesagt, wie wir uns zu benehmen haben, wie wir zu sein haben, welche Charaktereigenschaften okay sind und welche nicht. Wir bekommen gesagt, welche Interessen gut sind und welche nicht. Auch wenn all das in den meisten Fällen auf guter Absicht basiert, merken wir gar nicht mehr, dass wir uns kontrollieren, seitdem wir Kinder sind.

Wir denken nicht mehr groß drüber nach, dass wir von Anfang an Leistung mit Wert verknüpft bekommen, und dass wir in der Schule alle in eine Schublade gesteckt werden und ignorieren, dass es individuelle und persönliche Entfaltungen gibt. Wir tolerieren und akzeptieren, dass wir von Anfang an in eine unsichtbare Uniform gesteckt werden, in der wir alle gut und gleich in unserer Entwicklung voranschreiten sollen und stellen dabei unsere persönlichen Interessen und innere Entfaltung hinten an, bis wir sie im Laufe unserer Entwicklung fast gänzlich verlieren. Wir trennen uns also fast von Anfang an von unserer inneren Entfaltung, Intuition und Wahrheit ab, und sehen gar nicht mehr, dass unser Leben auf Kontrolle aufgebaut ist.

Unsere Entfaltung, Hingabe und Intuition werden verdrängt

Dann übertragen wir diese Kontrolle auf unser Leben und Denken, dass es normal ist. Wir haben selber Wertigkeit mit Kontrolle, Disziplin und Leistung verknüpft, und versuchen von da an, uns und unser ganzes Leben genau da rein zu quetschen. All das ist so normal für uns geworden, dass wir gar nicht mehr erkennen, dass unser Leben auf Kontrolle aufgebaut ist und wir als erwachsene Menschen, fast alles probieren, zu kontrollieren.

Wir kontrollieren unser Verhalten, unsere Emotionen, unsere Außendarstellung. Wir haben ein genaues Bild davon aufgebaut, wie wir zu sein haben, um gut zu sein. Wir denken zu wissen, dass wir uns gut fühlen dürfen, wenn wir unser Leben im Griff haben, aber glauben, dass das bedeutet, dass wir unser Leben unter Kontrolle haben müssen.

Wir alle kennen das Sprichwort: „Ich habe mein Leben nicht mehr unter Kontrolle“ und erkennen gar nicht mehr, wie verrückt das ist! Es gibt kein Platz mehr für Entfaltung, Hingabe und Intuition. Auf unserem Fundament der Kontrolle und all den Gedanken, die wir dazu aufgebaut haben, wie wir zu sein haben oder aber auch, wer wir sind, versuchen wir nun Interessen raus zu kitzeln, oder uns zu überlegen, welcher Job uns glücklich machen würde. Dabei können wir das gar nicht mehr wissen, weil wir von Anfang an in die Schublade gepresst werden, wie wir zu sein haben. Ich habe im Laufe meiner Tätigkeit als Coach so viele Frauen kennengelernt, die seit Jahren unglücklich in ihren Job sind und gerne was anderes machen würden, aber nicht wissen was und dazu eine wahnsinnige Angst davor entwickelt haben, loszulassen.

Wir sehen nicht mehr, dass das kaum noch möglich ist, weil wir uns schon vor so langer Zeit verloren haben. Dazu kommt, dass wir mittlerweile so weit von unserem Kern und vom Vertrauen und der Hingabe entfernt sind, und heute unseren Wert darüber definieren, wie gut wir unser Leben unter Kontrolle haben, dass alles andere uns das Gefühl von Kontrollverlust gibt. Und genau das ist für uns das aller Schlimmste, da wir uns in einem System befinden, dass komplett auf Kontrolle aufgebaut ist.

Wir dürfen zurück in unsere weibliche Energie kommen

So, jetzt stehen wir an einem Punkt, an dem wir nicht mehr wissen: Wer bin ich eigentlich ohne all das? Wer bin ich, wenn ich alle Schichten abstreifen würde, wer ich denke zu sein und die Kontrolle loslassen würde? Und plötzlich ist da nichts mehr, außer vielleicht Angst. Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren und das Leben nicht mehr kontrollieren zu können. Du siehst also, wieso es an dieser Stelle kaum möglich ist, glücklich zu werden oder sich wirklich zu entfalten. Entfaltung geht nur mit Hingabe und Vertrauen einher. Vertrauen ist aber genau das Gegenteil von Kontrolle, und solange wir versuchen, alles zu kontrollieren, werden wir NIEMALS in die Hingabe und ins Vertrauen kommen.

So, jetzt komme ich zum Thema Weiblichkeit zurück. Wir leben in einer männlich dominierten Welt, die von Kontrolle, Machen und Tun dominiert wird. Und wir Frauen haben nicht mal bemerkt, dass wir versuchen, einfach Männer zu sein, weil wir von Anfang an, in all das hinein geboren werden. Wir haben unseren Wert genauso wie jeder Mann, damit verknüpft, Leistung zu erzielen, produktiv zu sein, kontrolliert zu sein, stark zu sein und Gefühle zu kontrollieren.

Das sind ALLES Werte aus einer stark männlich dominierenden Energie.

Jetzt sag ich dir noch, was es bedeuten würde, nach unserer weiblichen Energie zu leben. Weiblichkeit und Frau sein bedeutet vor allem HINGABE, VERTRAUEN, INTUITION, KREATIVITÄT, SCHÖPFUNG und LOSLASSEN. Sei einmal ganz ehrlich zu dir: Wie sehr lebst du diese Werte, und wie sehr lebst du die männlichen Anteile?

Das Ziel ist übrigens nicht, nur noch unsere weiblichen Anteile zu leben. Vielmehr können die männlichen Anteile zu einem Gefäß werden, das wir nutzen können. Aber ich frage dich, WO sind deine weiblichen Anteile? Wann lässt du wirklich los und versuchst NICHT zu kontrollieren? Wann vertraust du mehr deiner Intuition als deinem Kopf? Wann gehst du rein ins Fühlen, statt ins Denken?

Das bezieht sich übrigens auch auf jede Beziehung. Wann bist du wirklich im Loslassen, im Vertrauen und in der Hingabe? In den meisten Fällen versuchen wir zu halten, geben nur, wenn wir bekommen, oder weil wir bekommen wollen und haben Angst, zu verlieren. Du siehst also, wie weit wir uns von der Hingabe entfernt haben und wie sehr wir versuchen, ALLES zu kontrollieren. Ich beschäftige mich in letzter Zeit noch viel mehr mit dem Thema Weiblichkeit, weil mir aufgefallen ist, wie SEHR Frauen mit dem Thema Menstruation zu kämpfen haben. Ich kenne SO viele Frauen, die ihre Tage nicht mehr bekommen und Hormonprobleme haben.

Um unser wahres Ich zu entdecken, dürfen wir anfangen, loszulassen

Ja, natürlich können wir das alles auf die körperlichen Ursachen zurückführen, aber auch das hängt eng zusammen. Wir können die Themen NIE nur von einer Seite betrachten. Wenn wir alle zu Männern werden und unsere Gebärmutter das Weiblichste überhaupt an uns ist – wie können wir denken, dass wir diese Unterdrückung nicht auch auf dieser Ebene wahrnehmen. Wenn wir uns selbst und unsere Wahrheit unterdrücken, wird es sich auch früher oder später körperlich ausdrücken. Ich habe jetzt nur das Thema Menstruation angesprochen, weil ich mich persönlich sehr lange damit beschäftige. Natürlich gibt es aber viele andere körperliche Ausdrücke dieser Unterdrückung.

Da ich heute ein sehr sehr intuitiver Mensch bin und auf Zeichen achte, ist mir eine Sache bewusst geworden: Ich bin in der letzten Zeit in so einem Ausmaß von allen Seiten auf das Thema Weiblichkeit gestoßen und gedrückt worden, dass ich glaube, dass auch meine Beschwerden mich dazu auffordern, noch viel tiefer in das Thema Unterdrückung der Weiblichkeit reinzugehen und es mit euch zu teilen. Ich habe jetzt „nur“ das Thema Kontrolle angesprochen, aber diese Kontrolle liegt wie ein schwerer Mantel über unsere ganze Gesellschaft und unterdrückt uns – und unsere Weiblichkeit.

Ich möchte mit dir noch viel tiefer in das Thema eintauchen und dir zudem die direkten Zusammenhänge mit dem Kampf unseres Körpers zeigen. Denn auch hier spielt die Unterdrückung unserer Weiblichkeit von Anfang an eine große Rolle und wir werden schon in eine Gesellschaft hinein geboren, in der wir als Frauen in eine Ecke gedrängt werden, die unseren Wert mit unserem Aussehen verknüpft hat. Unsere komplett verschobene Ansicht von Sexualität tut hier einen großen Teil dabei. Ich wünsche mir so sehr, dass wir nach und nach all das loslassen lernen, um wieder zu erkennen, wer wir hinter all den künstlich aufgebauten Schutzstrategien sind.

So, ich bin in diesem Artikel auch mal ein bisschen tiefer in gesellschaftliche Strukturen gegangen und habe mit dir zusammen Konstrukte hinterfragt, die ich schon seit vielen Jahren hinterfrage und die mich sehr beschäftigen. Ich habe schon vor vielen Jahren angefangen, die Kontrolle nach und nach loszulassen und auf allen Ebenen damit zu arbeiten. Loszulassen – von Erwartungen loszulassen, die auf mich gelegt wurden, loszulassen von der Verknüpfung von Leistung und Werten, loszulassen von Beziehungsstrukturen, wie sie geführt werden und vieles mehr. Ich bin der Meinung, dass wir erst in unsere wahre Erfüllung können, wenn wir das Leben, dass wir momentan leben, wirklich auf den Kopf stellen, hinterfragen und uns neu erfinden und entdecken. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Kampf gegen unseren Körper nur ein Ausdruck einer tiefen tiefen Sehnsucht ist, die es zu ergründen gilt und auf so vielen Ebenen stattfindet.

Ich freue mich sehr, über dein Feedback und hoffe dir, mit diesem ersten Teil dieses Themas bereits die Wichtigkeit rüber gebracht zu haben.

Ich schicke dir ganz viel Liebe und sag mal, bis zum nächsten Mal!