Heute möchte ich gerne über ein unfassbar wichtiges und entscheidendes Thema auf deinem Heilungsweg sprechen. Es geht um das Thema Kontrolle und glaube mir: Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch du ein Thema mit Kontrolle hast. Selbst, wenn du es gerade noch nicht wissen solltest.  

Und falls du es bereits weißt, werde ich dir in diesem Artikel noch mal mehr bewusst machen, wieso du dich damit selbst blockierst und dir auf allen Ebenen selbst im Weg stehst! Eine Sache vorweg, die ich dir sagen kann: Es ist elementar wichtig, dass du beginnst mit diesem Thema zu arbeiten, um unter anderem die Beziehung zu deinem Körper und dem Essen zu klären, aber auch zu allem anderen. Denn eins muss ich dir an dieser Stelle sagen: Kontrolle und innere Freiheit können niemals nebeneinander existieren. Und das passiert auf jeder Ebene!

Du kannst nicht auf der einen Seite deinen kompletten Tag, deine Mitmenschen und dein Leben kontrollieren wollen, und auf der anderen, eine losgelöste Beziehung zum Essen aufbauen. Du kannst nicht auf der einen Seite intuitiv leben und wieder in Verbindung mit deiner inneren Stimme kommen, und auf der anderen, dich an allem festhalten und kontrollieren.

Das ist ein Paradoxon, dessen Zusammenhang wir ganz oft nicht sehen!

Sehr lange Zeit war mir nicht bewusst, dass ich ein Kontrollthema hatte, denn ich hätte mich damals eher als das Gegenteil betitelt. Ich war chaotisch, unordentlich und war eher die Art von Person, die mal vergaß, ihre Rechnungen zu bezahlen. Scheint im ersten Moment so, als habe die Person kein Kontroll-Thema, oder? Genau aus diesem Grund habe ich mich auch lange gar nicht mit dem Thema befasst. Ich dachte eher immer das Gegenteil: Ich dachte, ich müsse endlich lernen disziplinierter und strenger zu sein. Dass sich die Kontrolle, die ich ausführte, auf einer anderen Ebene befand, erkannte ich damals natürlich nicht, weil ich in all diesen Themen viel zu wenig drin war.

Um das ein Stückchen weit verständlich zu machen, möchte ich nochmal auf meine Kindheit zurückgreifen. Ich habe schon in anderen Artikeln davon erzählt, dass meine Essensleid-Geschichte damals damit begann, dass ich als Kind mit einer Diät begann. Als ich 10 Jahre alt war, begann ich mich in das Ziel rein zu steigern, abzunehmen. Der Grund dafür war vor allem der Kontrollverlust, der sich sonst so sehr in meinem Leben widerspiegelte. Ich befand mich besonders familiär in einer für mich schwer aushaltbaren Situation, über die ich keine Macht hatte. Diese Ohnmachtssituation, an der ich einfach nichts ändern konnte, führte dazu, dass ich mir irgendwo anders Halt und Kontrolle suchen musste.

Das ging perfekt mit dem Thema Essen!

Ich verschob meinen Fokus und half mir damit, mich selbst aus einer Ohnmachtssituation zu holen. Außerdem gab ich mir selbst etwas, was ich ALLEIN verändern konnte und ich Macht drüber hatte. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass sich das bei dir nicht so offensichtlich abgespielt haben muss, sondern sich auch auf einer unterbewussten Ebene widergespiegelt haben kann.

Und so begann mein Kontrollthema im Bereich ESSEN

Aber auch davor, gab es schon lauter Themen, die ich versuchte zu kontrollieren, ohne, dass sie mir damals bewusst waren. So nahm ich eine sehr dominante Rolle meinem Bruder gegenüber ein, da ich diese Kontrolle bei meinen Eltern nicht hatte und von ihnen dominiert wurde. Ich musste mir also die Kontrolle auf einer anderen Ebene holen. Außerdem versuchte ich oft mein eigenes Verhalten zu kontrollieren. Das äußerte sich häufig in Situationen, in denen ich eigentlich etwas sagen wollte, aber es lieber nicht getan habe. Viel zu groß war die Angst wieder Ärger zu bekommen und unterbewusst mein Gefühl bestätigt zu bekommen, nicht geliebt zu werden.

Auch in der Schule versuchte ich die Dominanz zu bekommen, wurde zum Klassenclown und machte mich dadurch unangreifbar. Eine Kontrolle, die wir im ersten Moment oft nicht erkennen. Doch ich behielt damit die Kontrolle, mich nicht verletzen oder bloßstellen zu können. Denn ich gab meinen Lehrern das Gefühl, sie nicht ernst zu nehmen und vermittelte meinen Mitschülern und Freundinnen, dass mich das alles nicht interessierte. Ich machte mich unangreifbar und behielt so die Macht und Kontrolle bei mir.

Nach außen hin sah es so aus, als würde ich die Kontrolle über mein Leben verlieren, indem ich die Schule nicht ernst nahm, meine Hausaufgaben nicht machte und nur Blödsinn anstellte. Doch in meiner Welt, auf einer ganz anderen Ebene, behielt ich die Kontrolle über meine Würde und meine Gefühle.

Sogar meine Emotionen konnte ich kontrollieren

Dadurch, dass ich ein so tiefes Ohnmachtsgefühl in meiner Kindheit verspürte, wollte ich niemandem mehr die Macht über mich geben und versuchte stets die Kontrolle zu behalten. Das drückte sich auch im Laufe meiner Jugend und meines frühen Erwachsenseins in meinen Beziehungen aus. Ich ließ die Jungs oder später Männer nur bis zu einem gewissen Grad an mein Herz und ließ mir nichts sagen. Ich dachte ich sei eine starke und dominante Frau und bemerkte nicht mal, die riesengroße Schutzmauer um mich herum. Egal, wer in mein Leben kam, die Macht und Kontrolle lag bei mir und blieb bei mir!

Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich es sogar schaffte, meine kompletten Emotionen zu kontrollieren. Mein Freund betrog mich und ich empfand NICHTS. Nur Kälte und Ekel. Doch mein Herz blieb unberührt. Mein System hatte gelernt mich zu schützen, indem es meine Gefühle kontrollieren konnte. Ich fühlte nur dann etwas, wenn ich es wollte. Diese kleinen, weißen Flecken in meinem Leben, die noch mit Liebe durchtränkt waren, wurden weniger und weniger. Denn ich hatte gelernt, dass Liebe gefährlich ist und ich mich davor schützen musste.

Ich hatte gelernt, die Kontrolle bei mir zu halten und zu überleben. Dieser Schutz und diese Kontrolle waren so stark, dass ich sogar gelernt hatte, in eine Art Schockstarre zu fallen. Diese half mir, keinen Schmerz mehr zu fühlen. Was ist das für eine unglaubliche Kraft an Kontrolle? Eine Kontrolle, die stärker ist als Liebe.

Wird der Schmerz zu groß, suchen wir uns etwas, das wir kontrollieren können

Nach außen hin sah es immer noch so aus, als wäre mein Leben chaotisch. Mein Kontrollthema erkannte ich natürlich nicht. Denn ich war mittlerweile erwachsen, hatte tägliche Fressanfälle, die dazu beitrugen, dass ich mich nur schwer auf Ziele und alles andere konzentrieren konnte. Ich war chaotisch und vergaß immer noch meine Rechnungen zu bezahlen. Doch mein Kontroll-System auf der emotionalen Ebene war unglaublich stark.

Später drückte sich die Kontrolle dann auf anderen Ebenen aus, vom Sport und natürlich auch beim Kalorienzählen bis hin zum Athleten Wettkampf. Auch hier habe ich wieder nur versucht mich aus dem Kontrollverlust, den Fressanfällen, die einfach zu mächtig wurden, zu retten. Das kann sehr oft passieren. Wird der Schmerz zu groß und zu unaushaltbar, müssen wir uns etwas suchen, das uns das Gefühl gibt, die Kontrolle zurück zu bekommen.

Schau mal bei dir hin. Wo kann das sein? Das kann in deinem Job sein, in deiner Beziehung, in deiner Familie, beim Thema Finanzen, Ordnung, Haushalt oder ähnliches. Immer wenn du das Gefühl hast, dass du in einer Sache extrem kontrollierend bist, kannst du davon ausgehen, dass es dir für eine Sache, über die du keine Kontrolle hast, Halt geben muss.

Dein Leben ist auf einem Fundament der Kontrolle aufgebaut

Das traurige an der Sache ist leider, dass wir für diese Kontrolle, diese Schutzstrategie unseres Systems, um die Ohnmachtssituation auszuhalten, geschätzt werden. Diese scheinbare Disziplin wird sogar von unserer Gesellschaft gelobt. Doch ist diese Disziplin und vermeintliche Stärke nur aufgesetzt auf deinen Kontrollverlusten…

Und was machen wir dann in der Regel? Wir versuchen noch mehr Kontrolle in das ganze Thema zu bekommen. Entweder werden unsere Kontrollthemen immer stärker und weiten sich aus, oder wir versuchen die Themen, die wir einfach nicht kontrolliert bekommen, zu kontrollieren. Beides führt dazu, dass dein Leben irgendwann auf einem Fundament der Kontrolle aufgebaut ist, dass sehr weit von LIEBE, Hingabe und wahrem Glück entfernt ist. Was wir leider oft nicht verstehen ist, dass wir nur dahin kommen können, wenn wir beginnen, die Kontrolle loszulassen. Erst dann können wir wieder ein Fundament aufbauen, dass auf LIEBE aufgebaut ist.

Und alles, was auf diesem neuen Fundament steht, kann von außen genauso aussehen wie vorher, und doch ist es nicht mehr das gleiche! Von außen kann es aussehen, als wäre dir doch eine gesunde Ernährung immer noch genauso wichtig wie vorher, doch steht diese Ernährungsform heute auf einem Fundament der Selbstliebe und nicht mehr auf dem Fundament der Kontrolle.

Du musst lernen, die Kontrolle loszulassen, um ECHTE Heilung zu erfahren

Kontrolle ist immer nur ein Ausdruck von Angst. Egal, wie sich diese Kontrolle ausdrückt. Du bist perfektionistisch? Du kontrollierst deinen Freund, weil du eifersüchtig bist? Du kontrollierst dein Verhalten? Deine Emotionen? Dein Essverhalten? Dahinter steckt sehr sehr viel Angst und der können wir erst begegnen, wenn wir beginnen die Kontrolle loszulassen. Erst dann können wir die echte Angst bearbeiten und schließlich ein neues Fundament aufbauen.

Die Mädels in Soulfood kommen oft zu mir und wollen ihre Fressanfälle und ihr emotionales Essen sofort weghaben. Sie wollen endlich die Kontrolle zurückhaben. Es braucht seine Zeit, bis wir an dem Punkt stehen, an dem sie erkennen, dass es nicht um Kontrolle geht, sondern darum, die Kontrolle loszulassen. Und plötzlich kann sich alles drehen und verändern und du kommst mit deinen ECHTEN Gefühlen in Kontakt. Die Gefühle, die denken, diese Kontrolle zu brauchen. Und nach und nach darf dein System erkennen, dass das alles eine Illusion und nichts weiter als eine Schutzstrategie ist.

Dein Heilungsweg kann nur echt passieren, wenn du bereit bist loszulassen, dich hinzugeben, zuzulassen und endlich zu fühlen. DU darfst verstehen, dass das Loslassen der Kontrolle dazu führt, dass du dir selbst begegnest. Und nur dort findest du die echten Antworten!