Emotionaler Hunger und dessen Heilung kann auf vielen verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Ich möchte mit diesem Beitrag mehr Klarheit in das Thema bringen.

Immer wieder schreiben mir Frauen, die schon lange unter Fressanfällen leiden und einfach keinen Weg finden, diesen Zustand zu verlassen. Sie erkennen nicht, dass sie sich tief im Kreislauf des emotionalen Essens befinden und nahezu darin gefangen sind. Auch wenn es mal bessere, mal schlechtere Phasen gibt – der Kreislauf ist stets vorhanden.

Wie aber können wir diesen Kreislauf durchbrechen?

Das gesamte Thema ist wahnsinnig komplex, aber wir können durch diesen Essensdrang sehr viel über unsere Emotionen und Gedanken herausfinden und uns wieder in der Tiefe verstehen lernen.

Aus diesem Grund sollten wir dieses Thema beinahe als Geschenk annehmen und es als Chance sehen, wieder zu uns selbst zurückfinden zu können. Wir sollten also aufhören, das Ganze mit Hass und Negativität zu betrachten und stattdessen versuchen, in einen positiven Blickwinkel zu wechseln. Das Thema kann der Schlüssel zu unserem eigentlichem ICH sein und dir die Tür zu deinen Seelenwunden öffnen, damit diese geheilt werden können.

Der größte Fehler, den wir immer wieder machen, ist, dass wir versuchen den Essensdrang auf irgendeine Art und Weise zu bekämpfen.

Wir klammern uns an die verschiedensten Diätpläne, oder halten uns zwanghaft an strukturierte Trainingseinheiten im Fitnessstudio. Wir versuchen also durch äußere Veränderungen unsere Fressanfälle unter Kontrolle zu bringen und übersehen dabei, dass dieser Essensdrang eigentlich eine Art Ventil darstellt.

Und solange wir dieses Ventil brauchen, sind wir in einem ewigen Kampf gefangen und werden niemals inneren Frieden erlangen. Egal wie viele äußere Umstände wir zwanghaft versuchen zu verändern.

Ich habe ja selber sehr lange nach Ernährungsplänen gelebt. Wenn wir auf diese Weise krampfhaft versuchen unsere Figur zu halten, werden wir jedoch immer wieder in Selbsthass verfallen und uns früher oder später dem emotionalen Essen hingeben. Dann werden wir stets das Gefühl haben, fremdgesteuert zu sein.

Und warum das so ist, möchte ich dir jetzt erklären.

Das emotionale Essen kannst du dir wie einen Kreislauf vorstellen. Es besteht aus folgenden Punkten: Dem Auslöser, den Gedanken, den Emotionen und dem Essen.

Auslöser gibt es viele Verschiedene – zum Beispiel deine unbearbeiteten Seelenwunden, unerfüllte Sehnsüchte, das Unterdrücken unseres Wesenskerns oder das verlorene innere Kind. Dazu gibt es noch zahlreiche Triggerpunkte, die immer wieder aktiviert werden können.

Ein Beispiel hierfür ist das Thema „Ablehnung“. Vielleicht hast du dazu ein unverarbeitetes Thema mit deinen Eltern. Diese Wunde wird nun immer wieder in Situationen aktiv, in denen du Ablehnung erfährst. Und solche Situationen nennen wir Triggerpunkte. Wie aktiv die einzelnen Triggerpunkte sind, hängt davon ab, wie tief die Verknüpfungen und Verletzungen sind. Das heißt wiederum, dass der Heilungsprozess bei jedem anders ist und somit unterschiedlich lange dauert.

Kommen wir zum zweiten Punkt im Kreislauf des emotionalen Essens. Immer, wenn der Auslöser aktiv wird, werden automatisch auch Gedanken in Bewegung gesetzt, die dir zum Beispiel sagen, dass du wertlos und nicht gut bist, so wie du bist.

Und damit kommen wir zum dritten Punkt im Kreislauf, denn diese Gedanken lösen wiederum negative Emotionen aus. All unseren Gefühlen gehen also Gedanken voraus. Diese negativen Emotionen versuchen wir dann ganz automatisch loszuwerden, weil wir das nunmal so gelernt haben. Wir versuchen also permanent bestimmte Gefühle zu verdrängen und regelrecht zu ersticken, denn wir haben nie gelernt, was echte Emotionsarbeit bedeutet.

Essen besitzt die Macht, dein Nervensystem zu beruhigen. Deshalb haben wir irgendwann mal diese Verknüpfung erstellt, wodurch der Drang nach Essen bei bestimmten Gedanken und Emotionen wie ferngesteuert aktiv wird. Und wenn die innere Spannung extrem groß und kaum noch auszuhalten ist, kommt es häufig zum Fressanfall.

Im vierten Schritt auf unserem Kreislauf kann also Essen dann dafür sorgen, dass du Selbsthass empfindest und dieser wiederum zu einem Auslöser wird. Auf diese Weise befindest du dich in dem ewig langen und immer wiederkehrenden Kreislauf des emotionalen Essens.

Es kann auch sein, dass du deinem Körper Essen verwehrst, hungerst oder übermäßig viel Sport machst. Auch diese Themen haben letztendlich den gleichen Sinn. Sie verleugnen deine eigentlichen Gefühle und verschieben deinen Fokus einfach nur auf ein neues Thema. Du erreichst damit eine Kontrolle, die du über deine verdrängten Emotionen nicht besitzt. Hier kannst du sozusagen einfach das Ventil „Essen“ verändern und zum Beispiel durch Sport ersetzen.

Kommen wir nochmal zum Thema Emotionen zurück. Im Prinzip kennt unser Körper seit jeher nur zwei verschiedene Formen von Gefühlen: Angst und Liebe. Das Stresshormon Cortisol, welches unser Körper heutzutage bei emotionalem Stress ausschüttet, wurde früher in Angst – bzw. Fluchtsituationen aktiv.

Emotionales Essen ist also oft mit Angst verbunden. Und neurologisch betrachtet sind hier ganz neue Nervenbahnen entstanden, die uns bei negativen Emotionen zum Essen drängen. Diese Verknüpfungen können wir nur verändern und lösen, wenn wir die Ursache verstehen und damit den Auslöser, die damit verbundenen Gedanken und schließlich die dadurch ausgelösten Emotionen.

Wenn du irgendwann wieder komplett mit dir im Reinen bist und die Verknüpfungen auf der körperlichen Ebene lösen konntest, wirst du Essen nicht mehr als Kompensationsmittel benötigen, sondern lernen, Essen dafür zu nutzen, wofür es ursprünglich da ist – um zu genießen, deinem Körper Gutes zu geben und ihn zu nähren.

Deswegen höre bitte auf, das Thema mit Plänen oder Disziplin lösen zu wollen und fange stattdessen damit an, deine tiefe, emotionale und heilende Reise anzutreten. Wenn du dabei Unterstützung benötigst, kannst du mir sehr gerne schreiben oder dich für die nächste Soulfood-Runde bewerben. Denn dort bearbeiten wir all diese Themen gemeinsam über einen langen Zeitraum hinweg.

Ich freue mich auf dich!